Pressemitteilung – Statt pauschaler Verbotsdrohungen – jedes Kind individuell fördern

Pressemitteilung

Rechtschreiben: Statt pauschaler Verbotsdrohungen – jedes Kind individuell fördern

Eine unsäglich sachfremde Debatte geistert durch die Medien (allen voran der SPIEGEL) und erreicht sogar parlamentarische Gremien. So fordert die FDP- Fraktion in der Hamburger Bürgerschaft das Verbot der „Methode ‚Lesen durch Schreiben‘ bzw. das Verbot davon abgewandelte[r] Methoden“. Namentlich genannt werden „der Spracherfahrungsansatz und die Verwendung der sog. Anlauttabellen.“ Das ist keine Eintagsfliege. Die Abgeordnete Ingola Schmitz (ebenfalls FDP) betitelt ihre „Kleine Anfrage“ an den Landtag von NRW: „‘Lesen durch Schreiben‘ als Gefahr für die deutsche Rechtschreibung?“ Kinder, so behauptet sie, würden „zu Rechtschreibanarchisten erzogen, um sie dann mühsam wieder aus der fremdverschuldeten Unfähigkeit zu befreien“.

Angesichts der aktuellen, in Medien und auch parlamentarischen Gremien oft einseitig geführten Diskussion über das Lesen- und (Recht-) Schreibenlernen warnt der Grundschulverband nachdrücklich davor, die Methodenfreiheit der Lehrerinnen und Lehrer anzutasten.

Auf ihrer Versammlung in Göttingen am 22./23.11.2013 stellten die Delegierten des Verbandes fest:

„Bestrebungen, einzelne methodische Ansätze zu verbieten (oder umgekehrt: vorzuschreiben) tritt der Grundschulverband entschieden entgegen. Lehrer/innen können den Bildungsansprüchen der Kinder am besten gerecht werden, wenn sie die Potenziale und Risiken verschiedener Methoden genau kennen, so dass sie kompetent über verschiedene Zugänge verfügen und diese entsprechend der heterogenen Zusammensetzung der jeweiligen Lerngruppe variabel und abgestimmt auf einzelne Kinder bzw. konkrete Schwierigkeiten einsetzen können.

Deshalb stützt der Grundschulverband Ansätze, die freies Schreiben und Lesen mit dem regelmäßigen gemeinsamen Nachdenken über Rechtschreibung und der Arbeit an individuell passenden Aufgaben verbinden.“

Zweifellos gibt es zu viele Schülerinnen und Schüler, die Probleme mit den heutigen Lese- und Schreibanforderungen haben. Aber die hohen Anteile lese- und rechtschreibschwacher Schulabsolventen/-innen sind nicht „den neuen Methoden“ anzulasten. Prof. Dr. Hans Brügelmann, Grundschuldidaktiker und Fachreferent des Verbandes hält fest:

„Vergleichbare Probleme wurden schon in den 1950er oder 1970er Jahren beklagt – aktuelle Studien deuten sogar darauf hin, dass die Lese- bzw. Schreibkompetenz damals eher niedriger war. Auch die Vergleichsuntersuchungen zu verschiedenen Methoden rechtfertigen es nicht, bestimmte Konzepte, Methoden oder Lehrwerke vorzuschreiben oder gar einzelne zu verbieten.“

Die Grundschulverbands-Delegierten: „Wir erneuern deshalb unsere Forderung, den Schriftspracherwerb und Methoden seiner Förderung nicht nur zu einem verpflichtenden, sondern auch zu einem gewichtigen Bestandteil der Ausbildung zu machen und die Fortbildungsangebote für diejenigen Lehrer/innen auszubauen, die eine erste Klasse übernehmen.“

S. Anlage zum vollständigen Text des – auf der Delegiertenversammlung im November 2013 – einstimmig beschlossenen Antrages.

Anfragen dazu:
Prof. Dr. Erika Brinkmann, erika.brinkmann@grundschulverband.de

Prof. Dr. Hans Brügelmann, hans.bruegelmann@grundschulverband.de

Dr.h.c. Horst Bartnitzky, horst.bartnitzky@gmx.de

Anlage:

PM Rechtschreiben. Statt pauschaler Verbotsdrohungen..