Pressemitteilung und Resolution: Bundeselternrat – Wie erkennt man eine gute Schule?

Wie erkennt man eine gute Schule?

Der Bundeselternrat hat sich vom 23.-25. September 2016 mit seinen Ausschüssen „Grundschule und frühkindliche Bildung“, „Gymnasien“ und „Berufsbildende Schulen“ mit dem Thema „Was folgt aus den Leistungsmessungen und den Vergleichen von PISA, VERA und Co.“ befasst. Gerade unter dem Eindruck der bundesweiten Diskussion zum Fortbestand der Schulinspektion und der VERA Vergleichsarbeiten sollte mit dieser Fachtagung die Frage beantwortet werden, welche Formen der Evaluation für die Bewertung einer Schule notwendig und damit für die Schulentwicklung nutzbar sind. Diese Frage ist besonders für Eltern relevant, da ihnen außer den Noten und den Abschlüssen ihrer Kinder oft kein anderes Kriterium für die Bewertung einer Schule zur Verfügung steht.

Prof. Dr. Hans Brügelmann vom Grundschulverband (GSV) schloss mit seinem Vortrag direkt bei den Schulnoten an. Für ihn ist schon seit Jahrzehnten bewiesen, dass Schulnoten keine objektive Rückmeldung über die Fähigkeiten der Schüler und damit über die Qualität einer Schule geben können. Insofern stellt er grundsätzlich die Sinnhaftigkeit von Leistungsvergleichen zur Diskussion. Aus seiner Sicht bedarf es vielmehr einer abgestimmten inneren und äußeren Evaluation. Ein mögliches Beispiel ist für ihn die kollegiale Hospitation. Auf diese Weise könnten die Lehrkräfte gemeinsam mit der Schulgemeinschaft die Stärken und Schwächen einer Schule feststellen, um auf dieser Grundlage die Ziele für die weitere Schulentwicklung festzulegen.

Dr. Katrin Böhme, stellvertretende Leiterin des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) ist mit ihrem Institut für die Erstellung der Tests für die VERA-Vergleichsarbeiten verantwortlich. Sie erklärte mit ihrem Vortrag „Notwendiges Anschlusswissen zur Verwendung der VERA-Vergleichsarbeiten“, dass VERA aus der Sicht des IQB nie als Leistungsvergleich, sondern immer als Instrument für die Lehrkräfte zur Verbesserung des eigenen Unterrichts zu verstehen war. In der Praxis werden die Ergebnisse von VERA aber immer noch viel zu oft zum reinen Vergleich herangezogen. Um in Zukunft die Akzeptanz von VERA zu verbessern, soll ein neues Verfahren angedacht werden. Die Nutzung und der Nutzen von VERA soll stärker in die Verantwortung der Schulen und insbesondere der Fachgruppen gelegt werden. Auf der Grundlage eines Basismoduls sollen modularisierte Testungen vorgehalten werden. Der Einsatz dieser passgenauen Module kostet aber Zeit und benötigt den Austausch im Team.

Mit dem Vortrag „Schulverbünde als Grundlage einer Selbstevaluation und die Auswirkungen auf die Schulqualität“ zeigten Dr. des. Franziska Carl und Angelika Fiedler auf, wie gerade mit dem Schulverbund „Blick über den Zaun“ (http://www.blickueberdenzaun.de) die Teamarbeit und die Hospitation in der Schule unterstützt werden kann. In diesem Schulverbund haben sich 120 Schulen in 14 Arbeitskreisen zusammengetan. Ziel ist im gegenseitigen Austausch die Qualität der Schulen festzustellen und weiterzuentwickeln. Die Tatsache, dass diese Schulen als Preisträger beim Deutschen Schulpreis und beim Jakob Muth-Preis in Erscheinung treten, gibt diesem Verfahren Recht. Axel Backhaus, Lehrer an der Bodelschwingh-Grundschule in Kreuztal bei Siegen ist mit seiner Schule Mitglied in diesem Schulverbund. Er stellte eindrucksvoll vor, wie sich seine Schule durch die Zusammenarbeit mit dem Schulverbund qualitativ weiterentwickelt hat.

Hierzu erklärt der Pressesprecher des Bundeselternrats, Wolfgang Pabel: Mit großer Besorgnis nehmen die Eltern die Bestrebungen war, etablierte Formen der Evaluation wieder zurückzunehmen. In einigen Bundesländern wurde die Schulinspektion sogar schon aufgelöst und die VERA-Vergleichsarbeiten erfreuen sich bei den Lehrkräften keiner großen Akzeptanz. In der Regel wird die Kritik an diesen Verfahren mit dem hohen Verwaltungs- und Zeitaufwand legitimiert. Der Nutzen dieser Verfahren wird nicht in das Feld geführt. Hier bedarf es dringend der Fortbildung, eine gesetzliche Verpflichtung zur Hospitation, die Förderung von Schulverbünden, der Bereitstellung von Zeit für den Austausch und die Weiterentwicklung der Evaluationsinstrumente als Grundlage für den innerschulischen Dialog. Reine Leistungsvergleiche haben nichts mit der Entwicklung von Schulqualität zu tun, aber wir brauchen die Schulinspektion, VERA und Vergleichstests als Grundlage für den Dialog mit der Schulgemeinschaft über den gemeinsamen Weg zur „besten Schule“!

Wolfgang Pabel

Pressesprecher/stellvertretender Vorsitzender

mobil: 0160 6106168

E-Mail: wolfgang.pabel@bundeselternrat.de

 

Resolution

Jahresthema des Bundeselternrats für 2016: Bildungsrepublik Deutschland Teil II – Welche Bildung braucht unsere Gesellschaft?

Fachkongress der Ausschüsse „Grundschule und frühkindliche Bildung“, „Gymnasium“ und „Berufsbildende Schule“

vom 23.-25. September 2016 in Potsdam

Was folgt aus Leistungsmessungen und Vergleichen? (PISA, VERA & Co.)

Die Erwartungen an das Bildungssystem sind groß. Wir erwarten, dass alle Kinder nach ihren individuellen Möglichkeiten optimal gefördert und auf die Zukunft vorbereitet werden. Hierzu braucht es ein hohes Maß an Vertrauen, da es um die Zukunft der Kinder und unserer Gesellschaft geht. Transparenz über den objektiven Leistungsstand des einzelnen Kindes und Transparenz über die Entwicklungsprozesse der Schulen sind eine wichtige Grundlage für Vertrauen.

Ein Bildungssystem, das eine viel zu hohe Abbrecherquote in Schule, Ausbildung und Studium zur Folge hat, kann nicht unser volles Vertrauen genießen. Insbesondere dann nicht, wenn es dafür kaum nachvollziehbare Erklärungen oder Lösungsansätze liefert.

Regelmäßige innere und äußere Evaluationen sind ein wichtiges Mittel um Transparenz über Stärken und Schwächen herzustellen, sowohl beim System, als auch beim einzelnen Kind. Nur durch das konsequente Befassen mit den Stärken und Schwächen können sich die Schulen und die Kinder optimal weiterentwickeln.

Solange Evaluationen nur in Vergleichen und stark vereinfachten Rankings münden, unterstützen diese weder eine Schulentwicklung noch die Entwicklung der individuellen Fähigkeiten der Schüler/-innen.

Der Bundeselternrat fordert:

 kontinuierlich Evaluationen auf Augenhöhe, die dem Gebot der Objektivität und Neutralität folgen.

 Ergebnisse von Evaluationen den Schulen als Grundlage für die Schulentwicklung zur Verfügung zu stellen. Evaluation muss der Entwicklung von gutem Unterricht dienen.

 Evaluationen, die der Schulentwicklung dienen, nicht für Rankings oder als Kontrollinstrument der Schulaufsichten zu missbrauchen.

 bundeseinheitliche Standards für die zentrale Erfassung von Ergebnissen um Objektivität und dadurch Vergleichbarkeit zu gewährleisten.

 nicht nur ein bundesweites Recht auf Hospitation an Schulen für alle an Schule Beteiligten, sondern auch eine verpflichtende kollegiale Hospitation.

 bundeseinheitliche Standards für ein Qualitätsmanagement an allen Schulen und in allen Schulformen.

 die Länder auf, den Schulen die notwendigen Ressourcen für die Schulentwicklung zur Verfügung zu stellen und die dazu benötigten Kompetenzen in der Aus-und Fortbildung aller an Schulen Beteiligten zu vermitteln.

Leistungsvergleiche sind eine wichtige Grundlage für die Evaluation und kein Selbstzweck.

Wir brauchen Evaluationen, die den Schüler/-innen und deren Eltern ein objektives Feedback über ihre erlangten Kompetenzen im Vergleich zu den Erwartungen geben und der Schule Empfehlungen liefern für ihre Weiterentwicklung.

Potsdam, 25. September 2016

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